Bearbeitet von: Nathalie Strübin
Abschied Pfarrer Hanspeter Plattner
«Lasst uns das Bekenntnis der Hoffnung festhalten ohne Wanken ...»
Nach 25 Jahren im Amt ist Pfarrer Hanspeter Plattner Ende August in Pension gegangen, einen Tag nach seinem 65. Geburtstag.
Nach 25 Jahren im Amt ist Pfarrer Hanspeter Plattner Ende August in Pension gegangen, einen Tag nach seinem 65. Geburtstag.
Axel Mannigel,
Wer bereits um 9.30 Uhr in St. Arbogast war, hatte Glück und fand einen Platz. Aber je näher der Zeiger auf 10 Uhr vorrückte, desto unmöglicher wurde dieses Unterfangen. Und als es dann 10 Uhr schlug, standen hinten in der Tür immer noch Menschen, die auch hineinwollten. Schliesslich sorgte Pfarrer Hanspeter Plattner persönlich für weitere Plätze, ein paar Jugendliche durften ganz vorne in den Chor und andere auf den Stufen neben dem Altar sitzen.
Sie alle wollten den letzten Gottesdienst mit Pfarrer Plattner erleben, denn praktisch danach war er pensioniert. So war der Tag in zwei Teile geteilt: Der eine fand in der Kirche als relativ normaler Gottesdienst statt, der andere im Gemeindehaus Feldreben als grosse Feier mit buntem Programm.
«Es tut mir leid, dass nicht alle Platz haben, aber wir konnten die Kirche für diesen Sonntag nicht ausbauen», sagte Plattner schliesslich. «Wir wollen anfangen und ich hoffe, dass es für alle ein schöner Gottesdienst wird, auch wenn ihr nicht so Platz habt.» Sprachs und trat zurück in die erste Reihe der Kantorei St. Arbogast. Gesungen wurde der Psalm 100 und erfüllte die Kirche mit schönem Klang.
Danach nahm der Gottesdienst seinen Lauf mit allem, was dazu gehört, bis er zur Predigt kam. «Wir hören einen Satz aus dem Hebräerbrief: ‹Lasst uns das Bekenntnis der Hoffnung festhalten ohne Wanken, denn er ist treu, der die Verheissung gegeben hat.› Als ich diesen Satz zum ersten Mal gehört habe, da habe ich ihn wenige Minuten darauf schon wieder vergessen gehabt. Ich war 15 und es war bei meiner Konfirmation im Zwinglihaus in Basel im Gundeli.» Plattner erzählte von jenem Tag, als wäre er gestern gewesen. Dann fragte er die versammelte Gemeinde, ob sie den Satz aus dem Hebräerbrief noch wüsste. Ein allgemeines Nein ertönte.
Plattner berichtete, wie dieser Satz, dieser Spruch in seinem Leben und bei seinen Lebensstationen immer lebendiger wurde. «Das wäre der Wahlspruch in meinem Wappen, wenn ich es als Protestant noch zum Papst schaffen würde.» Aber er werde ja bloss pensioniert und den Spruch als Wanderstab nicht loslassen. Die nächsten Minuten ging es just um dieses Loslassen, dass man manchmal (immer?) loslassen muss, um Gott zu finden. So wie der Bergsteiger, der einen Meter über dem Grund starb, weil er Angst hatte, den Fels, an dem er hing, loszulassen.
«Festhalten können wir uns an gar nichts, nicht an unseren kleinen Erfolgen und auch nicht an den vielen kleinen Hoffnungen, die wir uns machen. Festhalten können wir aber das Bekenntnis der Hoffnung, denn gerade das macht die Hände frei, und Herz und Seele weit», so Plattner. Wichtig war ihm dabei, dass es das Bekenntnis der und nicht zur Hoffnung ist. Und, dass Hoffnung kein Optimismus ist. Dazu zitierte er den tschechischen Schriftsteller, Dissidenten, Menschenrechtler, Häftling und Präsidenten Václav Havel, der sagte: «Hoffnung ist eben nicht Optimismus. Es ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, ohne Rücksicht darauf, wie es ausgeht.»
Gebannt lauschte die Gemeinde dem Pfarrer, sang und lachte und freute sich mit einem weinenden Auge über diesen Gottesdienst. So wie Plattner selbst. «Gerade jetzt bin ich erleichtert, aber das ist heute schon ein Wechselbad der Gefühle», sagte er später im Feldreben, wo es ein opulentes Mittagsmenü und ein reichhaltiges Programm zu Ehren des langjährigen Pfarrers gab. Er würde jetzt schon erstmal herunterfahren, aber im Oktober ginge es weiter, da sei er für eine Trauung gebucht. «Da verschliesse ich mich schon nicht», lächelte er schelmisch und verschwand im Trubel der Menge.
Erschienen zuerst im Muttenzer & Prattler Anzeiger Nr. 36 / www.muttenzeranzeiger.ch
Sie alle wollten den letzten Gottesdienst mit Pfarrer Plattner erleben, denn praktisch danach war er pensioniert. So war der Tag in zwei Teile geteilt: Der eine fand in der Kirche als relativ normaler Gottesdienst statt, der andere im Gemeindehaus Feldreben als grosse Feier mit buntem Programm.
«Es tut mir leid, dass nicht alle Platz haben, aber wir konnten die Kirche für diesen Sonntag nicht ausbauen», sagte Plattner schliesslich. «Wir wollen anfangen und ich hoffe, dass es für alle ein schöner Gottesdienst wird, auch wenn ihr nicht so Platz habt.» Sprachs und trat zurück in die erste Reihe der Kantorei St. Arbogast. Gesungen wurde der Psalm 100 und erfüllte die Kirche mit schönem Klang.
Danach nahm der Gottesdienst seinen Lauf mit allem, was dazu gehört, bis er zur Predigt kam. «Wir hören einen Satz aus dem Hebräerbrief: ‹Lasst uns das Bekenntnis der Hoffnung festhalten ohne Wanken, denn er ist treu, der die Verheissung gegeben hat.› Als ich diesen Satz zum ersten Mal gehört habe, da habe ich ihn wenige Minuten darauf schon wieder vergessen gehabt. Ich war 15 und es war bei meiner Konfirmation im Zwinglihaus in Basel im Gundeli.» Plattner erzählte von jenem Tag, als wäre er gestern gewesen. Dann fragte er die versammelte Gemeinde, ob sie den Satz aus dem Hebräerbrief noch wüsste. Ein allgemeines Nein ertönte.
Plattner berichtete, wie dieser Satz, dieser Spruch in seinem Leben und bei seinen Lebensstationen immer lebendiger wurde. «Das wäre der Wahlspruch in meinem Wappen, wenn ich es als Protestant noch zum Papst schaffen würde.» Aber er werde ja bloss pensioniert und den Spruch als Wanderstab nicht loslassen. Die nächsten Minuten ging es just um dieses Loslassen, dass man manchmal (immer?) loslassen muss, um Gott zu finden. So wie der Bergsteiger, der einen Meter über dem Grund starb, weil er Angst hatte, den Fels, an dem er hing, loszulassen.
«Festhalten können wir uns an gar nichts, nicht an unseren kleinen Erfolgen und auch nicht an den vielen kleinen Hoffnungen, die wir uns machen. Festhalten können wir aber das Bekenntnis der Hoffnung, denn gerade das macht die Hände frei, und Herz und Seele weit», so Plattner. Wichtig war ihm dabei, dass es das Bekenntnis der und nicht zur Hoffnung ist. Und, dass Hoffnung kein Optimismus ist. Dazu zitierte er den tschechischen Schriftsteller, Dissidenten, Menschenrechtler, Häftling und Präsidenten Václav Havel, der sagte: «Hoffnung ist eben nicht Optimismus. Es ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, ohne Rücksicht darauf, wie es ausgeht.»
Gebannt lauschte die Gemeinde dem Pfarrer, sang und lachte und freute sich mit einem weinenden Auge über diesen Gottesdienst. So wie Plattner selbst. «Gerade jetzt bin ich erleichtert, aber das ist heute schon ein Wechselbad der Gefühle», sagte er später im Feldreben, wo es ein opulentes Mittagsmenü und ein reichhaltiges Programm zu Ehren des langjährigen Pfarrers gab. Er würde jetzt schon erstmal herunterfahren, aber im Oktober ginge es weiter, da sei er für eine Trauung gebucht. «Da verschliesse ich mich schon nicht», lächelte er schelmisch und verschwand im Trubel der Menge.
Erschienen zuerst im Muttenzer & Prattler Anzeiger Nr. 36 / www.muttenzeranzeiger.ch

