Gemeinsam unterwegs. Kinderpiraten auf der Suche nach Schätzen

Eva Pirat_page-0001 (Foto: Ruben Albiez)
Ein Rückblick auf das Piratenlager der reformierten Kirchgemeinde Muttenz
Ruben Albiez,
«Für mich ist das Herbstlager wie eine zweite Familie und ein wichtiger Teil in meinem Leben.» So beschrieb ein Kind, das schon mehrmals dabei war, was ihm diese Woche bedeutet. Einen schöneren Schatz kann sich eine Lagercrew kaum wünschen.
Vom 27. September bis 3. Oktober 2026 wurde das Lagerhaus in Sur En bei Sent zum Heimathafen von 33 Kindern zwischen sechs und vierzehn Jahren. Sechs jugendliche Hilfsleitende, unsere «CoCos» –, fünf Leitungspersonen und zwei Lagerköchinnen begleiteten sie durch eine Woche voller Piratenabenteuer, neuer Entdeckungen und gelebter Gemeinschaft.
Erstmals verbanden tägliche Morgenimpulse und das gemeinsame Abendritual die Erlebnisse zu einem durchgehenden inhaltlichen Rahmen. In kleinen Gruppen lasen die Kinder morgens einen Impuls, dessen Gedanken am Abend anhand einer biblischen Geschichte vertieft wurden: Etwa mit Noah und seiner Arche oder mit Jesus, der den Sturm stillt. Spielerisch erzählt oder gemeinsam dargestellt eröffneten diese Geschichten Gespräche über Mut, Vertrauen und Zusammenhalt. Eben alles was eine gute Piratencrew braucht.
Jeden Abend kam ein kleiner Schatz in die selbst gestalteten Schatztruhen. Wie viel solche Erinnerungsstücke bedeuten können, zeigte mir ein Kind, das sich für seinen Anker-Schlüsselanhänger mit dazugehörigen Tagesvers bedankte. Sinngemäss sagte es: «Danke für dieses tolle Geschenk. Der ist sooo schön!» Seine unverstellte Freude blieb mir im Herzen.
Was Zusammenhalt ganz praktisch bedeutet, erlebten wir auf unserer elf Kilometer langen Piratenwanderung. In altersgerechten Gruppen lösten die Kinder Rätsel und sammelten Buchstaben. Erst als alle Gruppen ihre Ergebnisse zusammenlegten, entstand der Lösungssatz: «Coole Piraten essen Eis!» Die Belohnung war damit geklärt. Die müden Beine brauchten trotzdem Zuspruch. «Nur noch fünf Runden auf einer Laufbahn im Stadion!» Dann vier, noch eine Kurve, noch ein Stück. Als auch die letzte Gruppe unter tosendem Applaus beim Lagerhaus eintraf, fühlte sich die Ankunft wie ein Marathon-Zieleinlauf an. Geschafft! Die Kinder hatten allen Grund, stolz auf sich zu sein.
Auch die Fantasie bekam viel Raum. Selbst bemalte- und verzierte Schatztruhen glitzerten um die Wette, selbst gebastelte Piratenhüte wurden stolz getragen. Die CoCos brachten mit einem eigens entwickelten «Piratenwerwölfli» und einem ausgeklügelten Geländespiel eigene Ideen ein. Draussen wurde gespielt und getobt, beim abendlichen «Lawinenversteckis» das dunkle Lagerhaus erkundet. Eine Modeschau auf einem improvisierten Laufsteg lockte erstaunliche Showtalente hervor.
Beim traditionellen Ausflug nach Zernez gehörten Fussball, Hallenbad und der Einkauf mit dem eigenen Sackgeld dazu. Als sich CoCo Fabio beim Fussball am Fussgelenk verletzte, war die Anteilnahme gross. Zum Glück konnte er weiterhin dabei sein. Wir wünschen ihm gute Besserung! Auf dem Bahnhofperron wurde später unter Einsatz von Boomboxen, gemeinsam zu Lagerliedern getanzt. Passantinnen und Passanten blieben lächelnd stehen und spendeten Applaus: Unsere Lagerfreude wirkte ansteckend.
Ein besonderer Höhepunkt war das Piratencasino. Schiffstaue, Sturmlaternen und Wandbanner verwandelten den Versammlungsraum in ein Piratenschiff. Verkleidete Leitende und CoCos empfingen die Kinder zu Piratenpoker, Piraten-Blackjack, Mäxli, weiteren Würfelspielen und zum Erraten roter oder schwarzer Karten. Kronkorken dienten als Gold und Silber. Mit ihren Gewinnen konnten die Kinder an der von den CoCo-Leitenden Ronja und Julia mit Unterstützung von Lagerköchin Claudia betriebenen Piratenbar Cocktails, Süssigkeiten und Überraschungsschatztruhen kaufen.
Die Begeisterung hielt an: Als die Kinder am nächsten Vormittag über dreissig eigene Programmideen sammelten und darüber abstimmten, landeten Piratenpoker und Piraten-Blackjack neben Kino und Volleyball unter den vier Favoriten. So wurde das Casinoabenteuer nochmals lebendig, und die Kinder erlebten: Unsere Wünsche zählen.
Für süsse Kunstwerke sorgte Lagerköchin und Bäckerin-Konditorin-Confiseurin Claudia Goebel. Unter ihrer Anleitung entstanden Piratenguetzli, Cake-Pop-Piratenköpfe und verzierte Muffins. Auch Kinder, die bei anderen Angeboten eher zurückhaltend waren, arbeiteten hier voller Begeisterung mit.
Besonders berührt hat mich ein ungeplanter Moment beim Karaokeabend. Unserem Lagerlied «Gott ist mit uns unterwegs» waren die Kinder zunächst skeptisch begegnet. Als ich an diesem Abend kurz den Raum verliess, hörte ich plötzlich einige Kinder das Lied über die Mikrofone unserer neuen Audioanlage singen. Bei meiner Rückkehr sangen alle Kinder lautstark und freudig mit. Unser Lagerlied war zu ihrem Lied geworden.
Am Ende nahmen die Kinder gefüllte Schatztruhen mit nach Hause. Die wertvollsten Schätze aber passten in keine Schachtel: Gewachsenes Vertrauen, gemeinsam überwundene Herausforderungen und das Gefühl, dazuzugehören. Eine zweite Familie für eine Woche und für manche ein wichtiger Teil ihres Lebens.
Ein herzliches Dankeschön gilt allen, die diese Woche mitgestaltet und ermöglicht haben: den Kindern für ihre Neugier und Begeisterung, den CoCos und dem Leitungsteam für ihren Einsatz und ihre Ideen, den beiden Lagerköchinnen für die liebevolle Verpflegung und allen, die im Hintergrund mitgeholfen haben. Den Eltern danken wir für ihr Vertrauen und der Kirchgemeinde für ihre Unterstützung zur Ermöglichung des Herbstlagers.

Der Austausch mit Kindern und Eltern ist uns auch nach dem Lager wichtig. Ob Rückmeldungen, Fragen oder eine Situation aus der Lagerwoche, die jemand persönlich besprechen möchte: Die Lagerleitung hat gerne ein offenes Ohr und nimmt sich Zeit für ein vertrauliches Gespräch.