Wache Augen, freie Hände und mutige Füße!

Sommer (Foto: Klaus-Christian Hirte)
Versuche ich aus all den Berichten, Podcasts und anderer Medien auf den Punkt zu bringen, welche Art der Männerarbeit sich für uns alle und die Zukunft lohnt, dann...
Markus Bürki,
Im Zug schaue ich gerne Menschen an. Wenn mir ein Mann gegenübersitzt, so versuche ich mir vorzustellen, was er wohl arbeitet, wie er im Leben unterwegs ist, was ihn beschäftigt, wo er gerade ängstlich unterwegs ist, ob er Kinder hat oder wie er zu Themen wie Patriarchat, Sexismus, Gender-Pay-Gap oder anderen Themen steht. Aufgrund des Äußeren lässt sich sehr oft nur ein kleiner Teil herauslesen und es bleibt oft ein Wühlen im Kaffeesatz.

Ich müsste mit dem Mann das Gespräch suchen so nach dem Motto “ehm, Entschuldigung, wie stehen Sie gerade so im Leben und was denken und fühlen Sie eigentlich so betreffend den globalen Aufstieg von narzisstischen Männer auf unserem lieben Planeten und hat das auch etwas mit Ihnen zu tun?”

Unlösbar?

Schwierige Angelegenheit, ich habe es auf jeden Fall noch nie versucht. Möglich wäre es aber aus Gründen der Sozialisierung und aus Respekt gegenüber dem Mann mache ich es dann halt doch nicht. Es wäre aber spannend!

Was im Zuge nicht gut funktioniert ist beim Männerstamm gut möglich. Wir haben uns nun bereits 7-mal getroffen und langsam kennen wir uns und unsere je eigenen Eigenschaften und kommen bereits bei Brot, Käse und Bier gut in spannende tiefen.

"Ich freue mich immer auf den Abend des Männerstamms; denn ich gewinne aus der Runde zu den verschiedensten Themen, denen wir uns widmen, immer wieder neue An- und Einsichten dank der so unterschiedlichen, aber einander zugewandten Kollegen. So klingt ein Abend lange nach und erweitert nicht nur meinen Horizont, mein Glaubensverständnis, sondern auch meinen Freundeskreis." Hans Käser, Besucher des Männerstammes

Eine, für mich als verantwortlicher für das Wohle der Männer im Männerstamm, schöne Rückmeldung. Wir haben uns beim letzten Treffen unterhalten, wie es weitergehen soll und was wir noch anpassen möchten. Bei dieser Rückmelderunde kam heraus, dass die Männer mit der Frequenz und dem Aufbau der Männerstamm Runden zufrieden sind. Wichtig ist ihnen, jeweils den Glaubensbezug in den Themen aufrecht zu halten. Was in einer Gruppe, die sich langsam besser kennt, auch gut möglich ist. Niemand muss etwas performen, alle dürfen so sein wie sie sind und werden so akzeptiert. Was kann ich mir als Leiter der Runde Schöneres wünschen, als eine Gruppe von Männern, die sich wohl fühlen und sich so auch zu anspruchsvollen Themen äussern?

Und die Zukunft?

Versuche ich aus all den Berichten, Podcasts und anderer Medien auf den Punkt zu bringen, welche Art der Männerarbeit sich für uns alle und die Zukunft lohnt, dann höre und lese ich oft die Aussage, dass Männer sich in einem für sie geeigneten Raum austauschen, öffnen und reflektieren sollen dürfen. Diese, sagen wir einmal, liebevoll konfrontative Art einander zuzuhören und nachzufragen, ist präventiv und kann im Extremfall Leben retten. Reden hilft, sich austauschen. Sich und andere versuchen zu verstehen bringt uns weiter.

Spiritualität und Glauben kann ein wichtiger Pfeiler für den Boden und die Wurzeln in das Leben hinein sein und Spiritualität kann helfen, die anstehenden Fragen nach Rollen und deren Transformationen besser zu bewältigen. Denn eines scheint mir unübersehbar: Wir stehen gerade an einem krassen Kippunkt. Wie geht es weiter und in welche Richtung(en) wird es gehen? Auch hier hilft Spiritualität und Glauben den Mut und die Hoffnung nicht zu verlieren.

Wache Augen, freie Hände und mutige Füsse!

Wenn wir als Männer (damit meine ich alle, nicht nur die welche mit dem Christentum rummachen) mit wachen Augen, freien Händen und mutigen Füssen unterwegs sind, dann kann viel Gutes und Neues entstehen. Fehlt eine der drei Fähigkeiten, dann wird es schwierig. Und es ist wie bei allem eine sehr komplexe und vielschichtige Angelegenheit. Wechselwirkungen, Re-traditionalisierungs-Effekte und die Gleichzeitigkeit von progressiven und konservativen Kräften in der Arbeit mit Männergruppen lässt das Thema wohl noch lange nicht erkalten, im Gegenteil es bliebt eine verdammt heiße Angelegenheit.

Und der Männerstamm?

Wir bleiben unserem Format von einmal im Monat treu. Zusätzlich biete ich als Männercoach und Sozialdiakon die Möglichkeit der Männersprechstunde an. Melde dich, wenn du glaubst, dass du einige Themen genauer beleuchten möchtest, zusammen machen wir dann einen Fahrplan für ein Coaching. Sei mutig! Oder erzähle deinem Nachbarn davon.-)

Zum Schluss möchte ich noch Einblicke in meine Träume geben. Ja, ich träume von einer Männerstammreise nach Israel, ich träume von einem Männerstammweekend zu einer andern Männergruppe, ich träume von einzelnen Männern, die sich in der Männersprechstunde öffnen und Schritte gehen können und ich träume von einer reformierten Kirche, die sich für alle Männer interessiert egal ob hetero oder nicht und ich träume von einer schweizweiten breit abgestützten kirchlichen Männerarbeit, die vernetzt, modern, spirituell und wachsam ist für die Themen der Zukunft. Wache Augen, freie Hände und mutige Füße! Jesus sagt etwas passendes bei Markus 13,33 dazu.

„Seht euch vor, wachet! Denn ihr wisst nicht, wann die Zeit da ist.“


Wer in den Sommerferien Lust auf ein gutes Buch hat dem empfehle ich » Niemals aus Liebe


Der nächste Männerstamm findet statt am 29. August 2025. Fragen dazu bitte direkt an markus.buerki@ref-muttenz.ch oder 077 521 61 42 einfach eine Nachricht hinterlassen.


“Der gemeinsame Punkt in verschiedener Andersartigkeit ist - ziemlich banal - das Mannsein. Verschiedenheit und Gleichgesinntheit teilen: ist hilfreich."

Christoph, Besucher des Männerstammes

Buerki Markus